
Arbeits- und Fachkräftesicherung
Das Spannungsfeld zwischen Arbeitskräftemangel und Stellenabbau auf dem deutschen Arbeitsmarkt wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Trends wie der demografische Wandel mit einer voranschreitenden Reduzierung der Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter einerseits sowie geo- und wirtschaftspolitische Trendwenden mit Konsequenzen für Geschäftsmodelle und der rasante technologische Wandel andererseits nehmen hier Einfluss. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass beide Phänomene – also Stellenabbau und Arbeitskräftemangel – durchaus selbst innerhalb ein und derselben Organisation gleichzeitig auftreten können. Dies verunsichert viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zutiefst und beeinflusst nicht zuletzt ihre Entscheidung, bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben oder sich nach neuen Perspektiven umzusehen.
Umso entscheidender ist es, Mitarbeitende entsprechend der betrieblichen Entwicklungen zu binden – einerseits durch Up- oder Reskilling, um sie auf veränderte Aufgaben- und Stellenprofile vorzubereiten, andererseits aber auch dadurch, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Dies hat viel mit Employability, Strategischer Personalplanung und Strategischer Kompetenzplanung zu tun. Es gilt zudem zu beachten, dass der Fokus hierbei nicht nur auf Fach- und Führungskräften liegen sollte, wie dies in der Vergangenheit häufig der Fall war. Vielmehr wächst das Bewusstsein dafür, dass auch die Bindung von Beschäftigten in Basisarbeit eine immense Bedeutung einnimmt.
Berufseinstieg unter Druck
Der Berufseinstieg von Young Professionals steht zunehmend im Spannungsfeld wirtschaftlicher Unsicherheiten, veränderter Anforderungen und des zunehmenden Einsatzes Künstlicher Intelligenz. Während Unternehmen vor der Herausforderung stehen, ihren Fachkräftebedarf langfristig zu sichern, sehen sich Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit veränderten Erwartungen und Einstiegsmöglichkeiten konfrontiert.
Vor diesem Hintergrund untersucht die Studie „Berufseinstieg unter Druck – Ursachen, Einstellungsverhalten und Auswirkungen“ die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen beim Übergang von der Hochschule in den Beruf. Hierzu wurden in zwei empirischen Befragungen über 980 Unternehmensvertretende und knapp 300 Young Professionals befragt. Als Young Professional gelten dabei Personen, die ihren Hochschulabschluss im laufenden Jahr oder innerhalb der vergangenen drei Jahre erworben haben und über maximal zwei Jahre Berufserfahrung verfügen.
Die Ergebnisse werden in drei Teilen aufbereitet: Der erste Teil beleuchtet die Unternehmensperspektive mit Fokus auf Einstellungsverhalten, Anforderungen und den Einfluss von KI. Der zweite Teil untersucht die Perspektive der Young Professionals, insbesondere ihre Erfahrungen, Erwartungen und Herausforderungen beim Berufseinstieg. Im dritten Teil werden beide Perspektiven gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Passungsprobleme zwischen Unternehmen und Young Professionals aufzuzeigen.
Seit 2014 ist das IBE wissenschaftlich begleitender sowie operativ-gestaltender Projektpartner der Preisauszeichnung „Attraktiver Arbeitgeber Rheinland-Pfalz“ des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz. Der Preis wurde vom IBE initiiert und gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium sowie der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) auf den Weg gebracht.
Mit der Auszeichnung werden kleine und mittelgroße Unternehmen gewürdigt, die häufig im Verborgenen mit innovativen Konzepten als sehr gute und vorbildliche Arbeitgeber agieren und damit einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung in Rheinland-Pfalz leisten. Seither werden jährlich acht Preisträger ausgezeichnet – jeweils ein IHK-Betrieb und ein HWK-Betrieb in den vier Kammerbezirken Pfalz, Koblenz, Trier und Rheinhessen.

Das Buch zum Thema
Der Herausgeberband von Prof. Dr. Jutta Rump und Silke Eilers beschäftigt sich mit den Themen Re-Skilling und Up-Skilling als mögliche Antworten und Lösungen für die aktuellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und den immer weiter zunehmenden Arbeits- und Fachkräftemangel bei gleichzeitiger Notwendigkeit, Stellen abzubauen. Welche Herausforderungen vor uns liegen und wie gezielte Skilling-Strategien diesen entgegenwirken können, wird anhand unterschiedlicher Ansätze aus Politik, Wissenschaft und Praxis dargelegt. Darunter finden sich neben relevanten Zahlen, Daten und Fakten zum Status quo auf dem Arbeitsmarkt und in den Unternehmen auch aktuelle Forschungsergebnisse, praxisnahe Tools und Empfehlungen sowie Erfahrungsberichte. Die Autorinnen und Autoren stellen Handlungsansätze vor, um adäquat auf das Spannungsfeld zwischen Stellenabbau und Arbeitskräftemangel zu reagieren. Dabei werden zwei Branchen hervorgehoben, die in besonderem Maße von den Entwicklungen betroffen sind. Dies ist zum einen der Finanzdienstleistungsbereich, in dem die Substitution und Simplifizierung durch Digitalisierung und KI eine zunehmende Rolle spielt. Zum anderen zeigt sich in der Automobilbranche die Notwendigkeit, u. a. den disruptiven Veränderungen in Bezug auf das Geschäftsmodell Rechnung zu tragen.






