Die 8. Ludwigshafener Personalgespräche standen gänzlich im Zeichen des Glücks. Unter dem Titel „Erfolg ist (k)eine Glückssache“ erlebten die rund 250 geladenen Gäste einen spannenden Abend mit den Keynote-Speakern Dorette Segschneider, Prof. Dr. Jörg B. Kühnapfel und Thomas Pütter. Sie klärten nicht nur über den Begriff des Glücks auf, sondern zeigten auch Wege auf, das Glücksempfinden zu fördern und den eigenen Erfolg zu beeinflussen.

Für eine professionelle Moderation sorgte Sieglinde Schneider, Kommunikationschefin der Accente Communication in Wiesbaden. Durch ihre abwechslungsreichen Gespräche mit den Referenten und Gästen wurden alle Einzelbeiträge inhaltlich verknüpft und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung eingebunden.

84 Prozent der deutschen Arbeitnehmer sind unzufrieden mit ihrem Arbeitsplatz

Die Kommunikationsberaterin, Speakerin und Buchautorin Dorette Segschneider eröffnete zu Beginn ihren Beitrag mit Fakten aus der Gallup-Studie: Laut deren „Engagement Index 2013“, der jährlich vom Beratungsunternehmen Gallup erhoben wird, seien 84 Prozent der Deutschen unzufrieden an ihrem Arbeitsplatz. Die Kosten, die der deutschen Volkswirtschaft dadurch entstünden, wären dabei vor allem für kleinere Unternehmen von fataler Natur. Eine Ursache liege dabei hauptsächlich im nicht potenzialgerechten Einsatz der Belegschaft. Segschneider erläuterte ferner die Funktionsweise des menschlichen Gehirns und zeigte Wege auf, unseren inneren „State Manager“ vor Entgleisungen zu bewahren. Ein ausgewogener Lebensstil, Konzentration und gutes Zeitmanagement begünstigen dabei die Entwicklung eines „State Leaderships“, der in den organisationalen Kontext eingebettet, die Unternehmensperformance steigern könne. Auch führte Segschneider dem Publikum vor Augen, wie wichtig es sei, Handlungsspielräume als solche zu erkennen und zu nutzen, da das Glück eben nicht auf der Straße, sondern in den eigenen Händen liege.

Glücksmanagement erfordert Disziplin

Prof. Dr. Jörg B. Kühnapfel, Professor für General Management an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein, vertrat in seinem nachfolgenden Keynote-Beitrag die Auffassung, dass Glück das Ergebnis planvollen und zielgerichteten Handels sei. Für dessen Verwirklichung sei „Management in seiner reinsten Form“ erforderlich. Der mithin schwierige Umgang mit dem Thema Glück finde dabei seinen Ursprung vorrangig in einer mangelnden Messbarkeit. Allerdings existiere ein breites Spektrum persönlicher Glücksfaktoren, die mit ihrer Förderung unser Empfinden von Glück maßgeblich beeinflussen könnten. Eine wesentliche Herausforderung bestehe folglich primär darin, jene höchst individuellen Glückstreiber zu identifizieren, die unsere Bedürfnisse am besten widerspiegeln. So ließe sich ein gewisser Glückszustand durch eine konsequente Einbringung dieser Glücksfaktoren erreichen, die sich durch Handlungsorientierung, gekonnte Priorisierung und eine effiziente Ressourcenallokation auszeichne. Kühnapfel riet zugleich ab von Populärautoren, die mit ihren Erfolgsstorys zwar für einen kurzfristigen Motivationsschub sorgen könnten, auf lange Sicht aber ein Schrumpfen des eigenen Zufriedenheitsniveaus bewirkten. Stattdessen verwies er die Zuhörer auf eine breite Palette seriöser Literatur aus dem Bereich der Verhaltensökonomik. Beispielhaft führte er zudem eine Reihe von Tugenden an, die es benötige, um erfolgreiches Glückmanagement zu betreiben und schloss seine Präsentation mit einem nachdrücklichen Hinweis auf die für ihn wichtigste Charaktereigenschaft: Disziplin.

Lebensmotive als Schlüssel zum Glück

Sodann trat Thomas Pütter, Geschäftsführer der „Nells Park Hotel“-GmbH und Inhaber des Beratungsunternehmens „DENK NEU“ vor das Publikum. Er machte deutlich, dass er in erfolgreichen Selbstmanagement-Strategien ein zentrales Element des persönlichen Glücks sehe und wandte sich den Möglichkeiten der Persönlichkeits- und Teamentwicklung zu. Im Vordergrund seiner Ausführungen stand ein Life-Balance-Programm, das sich mit dem Erreichen von Zufriedenheit im persönlichen und beruflichen Kontext auseinandersetzt. Als wichtigen Stützpfeiler dieses Entwurfs stellte Pütter ein Analysetool mit dem Namen „Reiss Profile“ vor. Ziel dieser Untersuchung sei, die persönliche Motiv- und Wertestruktur eines Menschen anhand von 16 Lebensmotiven zu identifizieren, um so eine optimale Abstimmung mit dem Einsatz im Unternehmen zu ermöglichen. Diese Potenzialverwirklichung fördere eine Steigerung des persönlichen Glücksempfindens, die zu mehr „Spirit und Commitment“ im Unternehmen führe.

Abschlusstalk: Erfolg ist K E I N E Glückssache

Ihren Schlussakt fand die Veranstaltung in einer gemeinsamen Talkrunde. Neben allen Referenten bat Moderatorin Schneider dafür auch Frau Prof. Dr. Jutta Rump, Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE sowie Gastgeberin des Abends, auf die Bühne. Konsens bestand vor allem darüber, dass es sich lohne, Ressourcen in die Talentidentifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu investieren. Die betriebliche Praxis zeigt nicht selten, dass Einflussmöglichkeiten, die Führungskräfte schon heute zur Förderung einer Persönlichkeitsentwicklung besäßen, insgesamt noch zu wenig Nutzung erfahren. Auf die Frage aus dem Publikum, ob es im Hinblick auf die Wichtigkeit des Themas Glücksmanagement nicht sogar sinnvoll sei, einen eigenständigen Studiengang anzubieten, waren sich die Experten einig. Sie befürworten Glücksmanagement als Teil des Curriculums.

Wie die Moderatorin Schneider abschließend betonte, haben die Präsentationen eindrucksvoll bewiesen, dass Glück eben kein Zufall sei. Mit Bezug zum Motto der Veranstaltung lautete ihr Resümee über den zurückliegenden Abend daher treffend: „Erfolg ist keine Glückssache“.