Immer mehr entwickeln sich die Ludwigshafener Personalgespräche zu einem Publikumsmagneten. Die Teilnehmerzahl wurde im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich gesteigert – wer in der Aula der Fachhochschule keinen Platz mehr fand, verfolgte das Geschehen bei der Live-Übertragung in einem der Konferenzräume.

Prof. Dr. Jutta Rump hatte auch in diesem Jahr wieder namhafte Referenten und Podiumsteilnehmer gewinnen können. Key Note Speaker Prof. Dr. Norbert Walter, ehemaliger Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, ging in seinem Vortrag insbesondere auf die Notwendigkeit ein, die in Deutschland vorhandenen Arbeitskräftepotenziale besser zu nutzen und entsprechende Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Wettbewerbsfähigkeit unter sich wandelnden externen Bedingungen erhalten bleibt. Dabei schreckte er auch vor provokanten Forderungen wie der Reduzierung des Jahresurlaubs auf vier Wochen nicht zurück.

In der Podiumsdiskussion saßen sich Margret Suckale, Mitglied des Vorstands der BASF SE, und Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom AG, unter Moderation von Prof. Dr. Jutta Rump gegenüber. Dabei prognostizierte Sattelberger, Talent werde künftig wichtiger als Kapital werden und Unternehmen täten gleichermaßen aus Gründen des Gemeinwohls wie auch des Eigennutzes gut daran, sich in Bereichen wie der Hochschulförderung oder der Kinderbetreuung zu engagieren. Spannend auch die Frage danach, inwieweit sich Mitarbeiter künftig ihre Führungskräfte „wählen“ können. Für Margret Suckale ist es schon heute Realität, dass die Führungsqualität in einem Unternehmen für viele Beschäftigte das entscheidende Bindungskriterium darstellt und Führungskräfte schnell „weg vom Fenster sind“, wenn sie ihren Führungsaufgaben nicht gerecht werden. Durch einen regelmäßigen Wechsel in unterschiedliche Funktionen und Positionen wird dabei auch ein faires Miteinander über Hierarchieebenen hinweg gewährleistet. Was die künftigen Entwicklungen für die Unternehmenskultur bedeuten, so herrschte Einigkeit bei den Diskussionspartnern dahingehend, dass das Miteinander und die Akzeptanz von Vielfalt einen höheren Stellenwert einnehmen (müssen). Gerade den letzten Punkt griffen beide mehrfach auf und betonten, man brauche keine „Klone“, sondern hetereogen zusammengesetzte Teams und die bewusste Integration von Vertetern der Geistes- und Sozialwissenschaften in Unternehmen. Thomas Sattelberger forderte von der betrieblichen Mitbestimmung eine Neuausrichtung ihres Selbstverständnisses auf Bereiche wie Gesundheit, Lernen und Arbeit. Wie schon im Vorjahr plädierte der Telekom-Vorstand dafür, HR solle experimentierfreudiger werden und durchaus auch kontroverse Ansichten vertreten: „Die HR-Profession ist eine der spannendsten, komplexesten und intellektuellsten Professionen.“ Suckale gab den anwesenden Personalern insbesondere mit auf den Weg, den Führungskräften im Unternehmen als Partner und Coach zur Seite zu stehen, um die nicht immer einfachen Herausforderungen zu bewältigen und gegenseitige Wertschätzung aufzubauen.

In seinem Abschlussvortrag ging Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, auf den Wandel in der Arbeitswelt insbesondere aus der strukturellen Perspektive ein. Er stellte die Auswirkungen sowohl auf die Beschäftigung als auch auf die Qualifikation dar und zog daraus Schlüsse für die Herausforderungen, denen sich das Personalmanagement gegenübersieht. Dabei konnte er zeigen, dass vor allem die Unternehmen erfolgreich sind, die ihren Beschäftigten ein ausgewogenes Maß an Flexibilität und Stabilität bieten und eine ergebnisorientierte Führungskultur praktizieren.

Wie bereits in den Vorjahren tauschten sich die Teilnehmer im Anschluss an das offizielle Programm noch lange in den Räumen der Fachhochschule aus, und nicht selten war zum Abschied der Satz „Wir sehen uns spätestens nächstes Jahr hier wieder“ zu hören.