Gegen den Strich gebürstet –

Die 10. Ludwigshafener Personalgespräche bitten erstmals mit dem „HR-Mambo“ auf das Begriffsparkett

Womit müssen wir brechen? Was gilt es zu bewahren? Um dieser Frage nachzugehen, begaben sich am Mittwoch, den 28. Juni 2017 die Initiatorin Prof. Dr. Jutta Rump und ihr Gast Martin Gaedt, Autor und Unternehmer, beim 10-jährigen Jubiläum der Ludwigshafener Personalgespräche auf das Begriffsparkett, um gemeinsam in einem innovativen Veranstaltungsformat den „HR-Mambo“ zu tanzen. Gemeinsam betraten Sie die Bühne und vertraten mit Leidenschaft ihre Thesen rund um das Personalmanagement der Zukunft. Abwechselnd bezogen sie in jeweils vierminütigen Sessions Stellung zu ausgewählten Begriffen des HR-Managements wie Musterbruch, DNA des Unternehmens, Work-Life-Balance und Generation Y & Z. Moderatorin Jette Altmann, Nachwuchstalent am IBE, sorgte dafür, das Publikum zu ermutigen und sich an dem HR-Mambo mit eigenen spontanen Kurzbeiträgen zu beteiligen.

Prof. Dr. Peter Mudra, Präsident der Hochschule Ludwigshafen am Rhein, betonte in seiner Begrüßung der Gäste, dass es im HR-Management nicht darauf ankäme, die Zukunft vorherzusagen. Vielmehr gelte es, auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Als im Anschluss der „HR-Mambo“ in die erste Runde ging, wurde klar: Diese Veranstaltung würde eine andere sein, als jene in den Jahren zuvor. Nachdem Martin Gaedt im wahrsten Sinne des Wortes den ersten Teller zerbrochen und Jutta Rump die Regeln der Physik auf das Personalmanagement übertragen hatte, war die für einen Mambo typische Leidenschaft und Begeisterung geweckt. Dabei erhielt auch das Publikum immer wieder die Gelegenheit, die Diskussion zu bereichern. Zum einen konnten bis zu vier Personen die ausgewählten Begriffe ebenfalls kommentieren, zum anderen durfte das Publikum live per Smartphone zwei zusätzliche Begriffe für die Diskussion auswählen. Das Besondere daran: Auf diese Begriffe waren die beiden Protagonisten nicht vorbereitet. Sie mussten den „HR-Mambo“ in diesen Fällen also völlig spontan in Angriff nehmen.

Musterbruch

Gaedt klagte beim Thema „Musterbruch“ insbesondere den klassischen Bewerbungsprozess an. „Warum quetschen wir alle Bewerber immer wieder durch die gleiche Maschinerie?“ Die Goldmedaillen-Gewinner bekämen den Job und die Silber- und Bronze-Kandidaten landeten am Ende des Tages im Mülleimer. Letzteren hatte Gaedt gleich aus Berlin mitgebracht. „Mit solchen Mustern müssen wir brechen und dieses Musterbrechen müssen wir ab heute jeden Tag trainieren“, so Gaedt.

Hingegen fragte Jutta Rump die Gäste: „Brauchen wir nicht Dinge, die es zu bewahren gilt?“ Sie konterte entsprechend mit der These, dass ausschließliches Musterbrechen auch nicht zum Ziel führe. Sicher müssten eingetretene Wege verlassen werden, dennoch sehnten sich viele nach wie vor nach einem Rückgrat – etwas, das ihnen Halt gibt. Die Physik liefere dazu einen treffenden Vergleich. „Ein Körper, der sehr schnell rotiert, braucht immer auch einen konstanten Haltepunkt, der ihn in der Spur hält“. In einer Welt, in der sich alles immer schneller drehe, sei deshalb ein gewisses Maß des Bewahrens unabdingbar, betonte sie.

Auch das Publikum vertrat eine durchaus zweigeteilte Meinung zum Thema „Musterbruch“. „Brüche sind wichtig zum Aufrütteln. Bewahren ist wichtig bei der Zukunftssicherung“, so einer der Beiträge.

DNA des Unternehmens

Den Begriff „DNA des Unternehmens“ verglich Gaedt auf bildhafte Weise mit dem Mixen eines Cocktails. Möchte man etwas Neues kreieren, so brauche es Zeit und mehrere Versuche, bis die Mischung schließlich schmecke. Die meisten Cocktails schmeckten dabei nicht auf Anhieb. Wichtig sei auch hier, die DNA des Unternehmens keinesfalls diktieren zu wollen. Wer die Unternehmens-DNA tatsächlich verändern wolle, der brauche einen bunt gemischten Cocktail. Denn gleich und gleich ergäbe ausschließlich gleich, so Gaedt, und fügt weiter an: „Man kann seinen Mitarbeitenden nicht befehlen, von 9 bis 11 kreativ zu sein.“

Rump verwies darauf, dass die DNA des Unternehmens als seine unverwechselbare Identität zu verstehen sei. Sie sei einer der wesentlichen Treiber für die Motivation im Unternehmen. „Ich muss das Gefühl haben, dass genau das für mich die richtige Tätigkeit am richtigen Ort zur richtigen Zeit ist“, betonte sie. Nur dann könne man sich auch wirklich wohlfühlen und zu einer unverwechselbaren Unternehmens-DNA beitragen. „Die DNA des Unternehmens resultiert demnach vor allem aus dem inneren Grundgerüst eines jeden Mitarbeitenden. Sie stellt eine unverwechselbare Arbeitgebermarke dar“, so Rump.

Das Publikum vertrat ebenso die Ansicht, dass auch kreative Köpfe Strukturen bräuchten. Denn auch ein sehr kreatives Produkt würde ohne eine solide aufgestellte Vertriebsabteilung nicht den Weg zum Kunden finden.

Work-Life-Balance

„Wenn wir auf der Work Balance haben, dann brauchen wir keine Work-Life-Balance“, begann Martin Gaedt sein Plädoyer. Nach seiner Ansicht führe das Wort „Work-Life-Balance“ völlig an dem vorbei, was es bezwecken wolle. „Auf der Welt leben 7 Milliarden Menschen und 7 Milliarden Menschen sind unterschiedlich.“ Ein einziges Work-Life-Balance-Modell könne dieser Vielfalt niemals gerecht werden. Wir bräuchten daher nicht ein Modell, sondern 7 Milliarden Modelle, so Gaedt.

Rump versetzte sich beim Thema Work-Life-Balance in die Situation eines 20-jährigen Berufsanfängers. „Wenn ich am Anfang eines 45-jährgen Berufslebens stehe und in eine derart unsichere Zukunft blicke, wäre es da nicht schön, eine Strategie zu haben, wie ich in dieser unsicheren Zukunft in Balance bleiben kann?“ Wir müssten uns darüber im Klaren sein, dass unsere Zeit eine endliche Ressource sei. Jeder von uns müsse sich daher die Frage stellen, wie er diese Zeit ausgeben möchte, so Rump.

„Erkenne worin Du Weltmeister bist, tue es, und Du bist in Balance“, so eine der Stimmen aus dem Publikum. Wichtig seien vor diesem Hintergrund vor allem die Themen Eigenverantwortung, Mitarbeiterorientierung und sinnstiftende Arbeit.

Generation Y & Z

Beim Begriff „Generation Y & Z“ wurde Gaedt sehr deutlich. „Wie soll eine Generation, die nicht einmal in der Lage ist, sich selbst einen Salat zu machen, Verantwortung übernehmen? Wir haben einer ganzen Generation zu viel Verantwortung abgenommen und erwarten nun, dass sie Verantwortung übernimmt“. Zudem sei der Versuch, Generationen in Schubladen einordnen zu wollen der falsche Ansatz. Es gäbe nur die „Generation Alle“ und auf die gelte es zu achten.

Rump hinterfragte das Thema gleichermaßen: „Die Generation Y & Z verspürt viel zu wenig Anpassungsdruck. Im Gegenteil: Die Arbeitgeber hübschen sich für sie auf.“ Wichtig sei ein Blick auf die jeweiligen Sozialisationsmuster. Eine Generation, die nie einen wirklichen Anpassungsdruck verspürt habe, würde erwarten, dass die Arbeitgeber es ihr recht machen und nicht umgekehrt. Eines sei daher sicher: „Wir müssen mit diesen Generationen verhandeln und agieren und dabei die restlichen Generationen nicht aus dem Blick verlieren.“ Es gelte daher vor allem die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszustellen, so Rump.

Das Publikum kritisierte abschließend die inflationäre Nutzung solcher und ähnlicher Begriffe im Personalmanagement. Generell fände eine viel zu übertriebene Psychologisierung statt. „Jeder Mensch kann Generation Y oder Z sein, ungeachtet seines Lebensalters.“ Viel wichtiger sei es, das Menschliche stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Der Abend fand seinen Abschluss beim gemeinsamen Get-together in der sommerlichen Campus-Sky-Lounge der Hochschule. Mit Kleinigkeiten von Grill und Buffet sowie erfrischenden Getränken konnten die Gäste den Abend bei bestem Wetter ausklingen lassen.

Die Veranstaltungsreihe „Ludwigshafener Personalgespräche“ wurde im Jahr 2007 vom Institut für Beschäftigung und Employability IBE ins Leben gerufen. Seither wird dieser Gedankenaustausch von Fach- und Führungskräften des Personalmanagements mit Vertretern aus Wissenschaft und Politik einmal im Jahr durchgeführt. In jedem Jahr werden namhafte Experten in das Programm aufgenommen, die zu hochaktuellen Diskussionsthemen Stellung beziehen. Zum 10-jährigen Jubiläum wurde passend zum Thema „Musterbruch“ nicht nur das Personalmanagement, sondern auch das Veranstaltungsprogramm „gegen den Strich gebürstet“. So nahmen Prof. Dr. Jutta Rump und Martin Gaedt abwechselnd in jeweils vierminütigen Statements zu prägnanten Begriffen des Personalmanagements Stellung. Dabei konnte das Publikum nicht nur mitdiskutieren, sondern auch selbst via Smartphone-Abstimmung Begriffe zur Diskussion auswählen.

Dr. Jutta Rump ist Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule Ludwigshafen. Daneben leitet sie das Institut für Beschäftigung und Employability, das den Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit auf personalwirtschaftliche, arbeitsmarktpolitische und beschäftigungsrelevante Fragestellungen legt.

Martin Gaedt ist Provotainer, Geschäftsführer der Provotainment GmbH, Gründer von cleverheads, younect, askabit, Sweet Souvenir, Knack die Nuss, Gewinnovation. Er hat zahlreiche Start-ups gegründet, Produktideen in die Welt gesetzt und seinen inneren Antrieb und seine Kreativität nie verloren – auch wenn nicht immer alles glatt lief. Seine Vorträge sind eine grandiose Mischung aus Provokation und Entertainment.

Die 10. Ludwigshafener Personalgespräche wurden mit freundlicher Unterstützung der folgenden Sponsoren ausgerichtet: